Erste Positionierung, Grundlagen, Ideen.
Warum setzen wir uns für künstlerische Projekte für Menschen mit und ohne Assistenzbedarf ein? Was wollen wir mit „I want to tell you“ erreichen? Why? How? What? Der Prozess einer kreativen Kulturentwicklung …
Kreative Energien freisetzen
Die Anlage zu Kreativität trägt jeder in sich, nur sind wir es oft einfach nicht gewohnt sie einzusetzen. Ein Grund dafür mag im gesellschaftlichen Kontext liegen. Kreativität entsteht hauptsächlich in unserer rechten Gehirnhälfte. Gefördert wird in unserer Gesellschaft aber vor allem das, was in der linken Gehirnhälfte liegt: beispielsweise logisches Denken, ein mathematisches Verständnis und die verbale Sprache. Deshalb kommt die Kreativität oft zu kurz, so dass wir glauben, sie gar nicht zu haben. Dabei wird sie oft dann benötigt, wenn es darum geht, neue Lösungen und Wege zu finden. Und das viel häufiger als wir glauben – sei es im beruflichen wie im privaten Kontext. Warum nutzen wir nicht das, was vorhanden ist, aber viel zu wenig gefördert wird! Kunst ist ein Ausdruck von Kreativität und offeriert die Möglichkeit, die Wirksamkeit des eigenen Schaffens unmittelbar zu erleben. Künstlerische Begabung, Intuition und Phantasie sind gleich verteilt, sie gibt es bei Menschen mit Assistenzbedarf genau so häufig oder selten wie bei Menschen ohne Assistenzbedarf.
Kunst macht keine Unterschiede
Kunst verbindet, denn es spielt keine Rolle, welchen Hintergrund und welches Wissen der Einzelne in seinen Schaffensprozess mit einbringt. Auch das Erleben von künstlerischen Projekten innerhalb einer Gruppe verwischt die Unterschiede unter den Teilnehmern. Die Fähigkeit, etwas Kreatives zu schaffen, entspringt vielmehr einer tiefen Ebene in uns selbst, anders als beispielsweise die Sprache. Sie folgt einem eigenen Denken und Rhythmus und macht sie deshalb unmittelbar, ausdrucksstark und ursprünglich. Im Prozess des Gestaltens kommuniziert der Künstler mit sich selbst und bringt so Werke hervor, die von den eigenen kreativen Fähigkeiten geprägt sind – sie entsprechen den individuellen Möglichkeiten und Mitteln des Künstlers. Deshalb besteht eine kreative Schaffenskraft auch unabhängig von Intellekt und Einschränkungen und öffnet ganz neue Wege.
I want to tell you
Im Sinne der alten Tradition des Erzählens wollen wir mit dem Projekt „I want to tell you“ Geschichten weitergeben und offene Räume für sie schaffen. Unser Medium dafür ist jedoch nicht die gesprochene Sprache, sondern es sind verschiedene künstlerische Ausdrucksformen. So wie Geschichten verschiedene Deutungsmöglichkeiten zulassen, nähern wir uns künstlerischen Projekten individuell – sei es im Entstehungs – oder im Deutungsprozess.
Connecting People
Menschen mit und ohne Assistenzbedarf können durch künstlerische Projekte eine Form der Selbstbestimmung leben und ihr Selbstwertgefühl stärken. Darüber hinaus profitieren wir alle von einem lebendigen Miteinander, da jeder von uns andere Stärken und Schwächen hat. Unsere Projekte ermöglichen neue Kontaktaufnahmen, wecken Interesse an anderen Menschen und treten für eine Gesellschaft ein, die erst durch unterschiedliche Menschen kraftvoll wird. Kunst kann als verbindendes Medium fungieren und Menschen verschiedener Schichten, kultureller und soziokultureller Herkunft und unterschiedlichen Alters zusammenbringen. Kunst macht nicht gleich, sie lässt vielmehr Individualität zu.
Cross Border Navigation
Unsere Projekte strahlen eine kontinuierliche Lebendigkeit aus und können Grenzen auf verschiedenen Ebenen überwinden. Wir werden reisen und internationale Aktionen und Workshops realisieren, um den kulturellen Austausch zu fördern. Mit der Teilnahme an Kunst-Projekten von „I want to tell you“ können auch innere Grenzen verschoben, aufgelöst oder neu definiert werden. Der Einzelne kann sich in einem anderen Kontext neu entdecken.
Es gibt einen festen Standort in Überlingen (Goldbach) am Bodensee mit einem Atelier, von dem aus verschiedene Aktionen gestartet werden. Workshops und Tage des “offenen Ateliers” finden hier regelmäßig statt. Vieles passiert direkt vor Ort, aber auch regelmäßige Beiträge auf unserer Facebookseite und Blogbeiträge, die von verschiedenen Menschen geschrieben werden, gehören zum Tagesprogramm. Mit unserer Arbeit wollen wir nach außen gehen, Grenzen verschieben und für ein entspanntes Miteinander sorgen. Jeder sollte sich immer wieder die Frage stellen, in welcher Gesellschaft er leben möchte. Das soll sicher keine sein, die von statischen und strikten Grenzen lebt.
Vom Wunsch nach Erfahrung zum Erzählen
Mit dem Projekt “I want to know” haben wir von SKID in den vergangenen Jahren zusammen mit drei europäischen Partnern Workshops und Kunstinstallationen in verschiedenen europäischen Städten realisiert. Der Fokus lag dabei auf Künstlern mit Assistenzbedarf, die vom Austausch der verschiedenen Art-Studios profitierten.
Aus dem Wunsch nach Erfahrung ist nun das Erzählen geworden – ein Prozess, den wir ausweiten wollen, um eine größere Zielgruppe zu erreichen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Akzeptanz von Unterschieden zu fördern und dabei auf eine Kulturentwicklung zusteuern, die sich die Verschiedenartigkeiten zunutze macht und den Wert dessen erkennt.
Chancen: Diversity Management
Eine Möglichkeit, sich die Verschiedenartigkeit der einzelnen Menschen zunutze zu machen ist das Diversity Management, bei dem die individuelle Verschiedenheit positiv in den Vordergrund gestellt wird. Wir bieten Unternehmen durch Seminare und Workshops die Chance, einen unbefangenen Umgang mit verschiedenen Menschen zu erlernen, der sich als produktive Gesamtatmosphäre im eigenen Unternehmen fortsetzt. Die Gesamtheit der Mitarbeiter kann in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten nach einer Zusammenarbeit mit uns bewusster wahrgenommen und für den Unternehmenserfolg sinnvoll genutzt werden.
Objekte lebendig werden lassen
Wir möchten Menschen nicht anleiten im Sinne eines festgelegten Seminares. Jeder soll seine eigenen Stärken und Ausdrucksformen erkennen und den Facettenreichtum dessen erkennen. Die Möglichkeiten, die sich zum künstlerischen Ausdruck bieten, sind vielfältig, oft auch untereinander kombinierbar und ihnen sind keine Grenzen gesetzt. Das, was der Einzelne als Kunstobjekt begreift, ist individuelles Erleben. Wir arbeiten mit Holz, Metall, Farbe, Papier, wir verwenden Müll und Schrott, wir schreddern, malen, umwickeln, bekleben – und erleben dabei immer wieder die große Freude, wenn etwas Neues entstanden ist und “lebendig” wird.
Es werde lichter!
Wenn man Prozesse anstoßen will, braucht man Öffentlichkeit. Es ist denkbar, eine Veranstaltung zu organisieren, die eine große Zielgruppe erreicht. Eine “Nuit des Lampions” ist vorstellbar, ähnlich dem Vorbild von Wiltz in Luxemburg (siehe: http://www.wiltz.lu/la-nuit-des-lampions/). Dafür können in längerer Vorbereitungszeit Objekte entstehen, die im wahrsten Sinne des Wortes mehr Licht ins Dunkel bringen. Die Künstler können ihre Objekte gestalten, inszenieren und erleben. Und diese Objekte werden im Rahmen der Veranstaltung erlebt. Überlingen bietet die Rahmenbedingen für ein derartiges Projekt und würde von einer solchen Veranstaltung in vielerlei Hinsicht profitieren. Im Vorfeld können die Bürger von Überlingen schon dazu animiert werden, Lampions zu gestalten. Geschäfte können beispielsweise Wettbewerbe ausschreiben. Eine Stadt wird lebendiger durch ein farbenfrohes Miteinander und kann dadurch auch seinen eigenen Horizont erweitern!
Stand: 12.04.2016